Kinder und Erziehung

Überbehütung oder Freiheit? Wie können wir den Mittelweg finden?

Wir alle wollen unsere Kinder beschützen. Das geht allen Eltern so. Aber wenn aus dem Wunsch die Kinder vor Schaden zu bewahren Überbehütung wird, dann ist es nicht mehr zum Besten unserer Kinder. Wie können wir bei unseren Kindern den Mittelweg finden zwischen Überbehütung und Freiheit?

Ich bin ein eher ängstlicher Mensch, habe nicht viel Vertrauen in die Welt und in andere Menschen. Die Ursache dafür liegt sicher in meiner Kindheit und darin, wie ich aufgewachsen bin und großgezogen wurde. Dabei nicht überängstlich mit meinen Kindern zu sein ist eine Herausforderung. Schnell mutiert man zur Helikoptermutter, die ihren Kindern nicht von der Seite weicht und ihnen ständig „Pass auf!“, „Vorsicht!“ oder „Achtung!“ zuruft. Dass das aber gar nicht förderlich ist für das Selbstvertrauen der Kinder, ist klar. Mir auch. Deshalb bemühe ich mich sehr meine eigenen Ängste nicht zu den Ängsten meiner Kinder werden zu lassen.

Überbehütung schadet mehr, als sie nützt

Natürlich habe ich Angst, wenn meine Tochter sich einen hohen Turm aus Kissen auf dem Sofa baut und dann mit Karacho auf den rutschigen Wohnzimmerteppich springt. Oder wenn mein Sohn alleine die beiden Treppen in den Keller hinunter läuft, die Hände voller Spielzeug-Autos. „Ich geh ganz vorsichtig.“, sagt er zu mir, mit einer Überzeugung und einem Mut in seinem Ausdruck, dass ich ihn nur darin bestärken kann, diese Sache jetzt alleine zu machen. Also lächle ich ihn an und sage „Ja, mein Schatz.“ und ich weiß auch, dass er vorsichtig ist. Meine beiden Kinder sind das. Sie passen selbst sehr gut auf sich auf, ohne dass ich immer zur Stelle sein muss, um ihnen zu helfen.

Früher war ich eher noch etwas übervorsichtig, doch mit der Zeit habe ich gelernt darauf zu vertrauen, dass meine Kinder selbst einschätzen können, was sie schon alleine machen können und wobei sie Hilfe brauchen. Auch meine Kinder sind in manchen Belangen eher etwas vorsichtiger, was sicherlich auch auf meinen früheren Einfluss zurückzuführen ist. Denn auch wenn ich mich sehr bemühe mir meine Ängste und Sorgen nicht anmerken zu lassen, so kann ich diese wahrscheinlich gar nicht ganz verbergen. Und Kinder haben solch feine Antennen, dass sie Anspannung oder Ängste ihrer Eltern wahrnehmen, ohne dass die Eltern diese wirklich zeigen. Natürlich gibt es noch eine charakterliche Komponente, denn jedes Kind ist anders und manche sind von Natur aus schon mutiger, wohingegen andere eher vorsichtiger sind.

Freiheit stärkt das Selbstvertrauen

Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl. Diese Werte empfinde ich als unheimlich wichtig und dass diese stark und ausgeprägt sind, ist in meinen Augen Grundvoraussetzung dafür ein glückliches Leben führen zu können. Deshalb ist es mir immens wichtig, dass meine Kinder ein hohes Selbstvertrauen (nicht aber bis zur Selbstüberschätzung), ein gutes Selbstbewusstsein und ein hohes Selbstwertgefühl haben. Zum Thema Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen werde ich nochmal einen eigenen Blogbeitrag schreiben, weil mir dieses Thema sehr wichtig ist.

Das Selbstvertrauen steht hier aber auch in direktem Zusammenhang mit dem Thema Überbehütung und Freiheit, weshalb ich dieses hier schon näher beleuchten werde. Selbstvertrauen wird vor allem dadurch gestärkt, dass die Kinder sich selbst Dinge zutrauen, auch wenn sie vielleicht Angst davor haben. Haben sie sich dann nämlich getraut, zum Beispiel alleine mit den Inline Skates zu fahren oder auch den Pfannkuchenteig ganz allein zuzubereiten, dann wächst das Vertrauen in sie selbst und darin, dass sie schaffen können, was sie sich vornehmen.

Unsere Aufgabe als Eltern ist es dann unseren Kindern nicht im Weg zu stehen, sondern sie darin zu bestärken neue Dinge auszuprobieren und sich selbst zu vertrauen. Auch wenn wir manchmal selbst Angst haben oder aber denken „Das kann ich besser“ und „Lass mich das mal schnell selber machen“, so ist es wichtig, dass wir da unseren Kindern die Freiheit und den Raum geben sich selbst auszuprobieren. Denn nur so wachsen ihre Fähigkeiten und entwickeln sie sich weiter. Und auch ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein wachsen.

Ich denke, dass wir Eltern einen immensen Einfluss darauf haben, wie unsere Kinder sich selbst sehen und wertschätzen. Das müssen wir als Eltern uns immer wieder bewusst machen, damit wir im Umgang mit unseren Kindern nichts tun, dass ihrem gesunden Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen schadet.

Die goldene Mitte finden zwischen Überbehütung und Freiheit

Ich denke, dass es wichtig ist einen Mittelweg zu finden zwischen den beiden Extremen der Überbehütung und der Freiheit. Natürlich müssen wir unsere Kinder behüten, sie schützen und auf sie aufpassen. Aber das darf nicht in absolute Kontrolle ausarten, so dass unsere Kinder keinen Freiraum mehr haben, um eigene Erfahrungen – und ja, auch eigene Fehler zu machen. Denn auch das Fehler machen gehört zum Leben dazu. Man lernt daraus und macht es das nächste Mal besser. Und auch wenn wir unsere Kinder vor allen schwierigen Situationen bewahren wollen, letztendlich können wir das sowieso nicht und eine schwierige Situation gemeistert zu haben gibt auch Kraft und macht stärker. Und ich möchte, dass meine Kinder stark sind, für sich einstehen können und dass sie später zu starken Erwachsenen werden.

Natürlich lassen wir unsere Kinder nicht blauäugig in offensichtliche Gefahren laufen, aber wir sollten ihnen zutrauen, Situationen auch selbst einschätzen zu können und sich auszuprobieren. Diese Freiheit unbeschwert draußen zu toben, von der Schaukel zu springen, zu klettern und turnen und auch Dinge selbst zu machen, bei denen wir ihnen bisher immer geholfen haben, um zu erfahren, dass sie es auch alleine schaffen – das sollten wir unseren Kindern ermöglichen.

Was man tun kann, um die Beziehung zwischen Geschwistern zu stärken, habe ich in einem früheren Blogbeitrag für euch aufgeschrieben. Schaut gern mal rein 😉

Gelingt es euch einen guten Mittelweg zu finden zwischen Überbehütung und Freiheit? Lasst es mich in den Kommentaren wissen 🙂

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